Rostislav, apostelgleicher Erleuchter von Mähren

Aus Orthpedia
Zur Navigation springenZur Suche springen
gemeinsame Ikone mit den hll. Slawenapostel Kyrill und Methodius

Gedächtnis: 15. Oktober (alter Stil) / 28. Oktober (neuer Stil)

Der heilige, apostelgleiche Fürst Rostislav (auch Rastislav) war einer der bedeutendsten Herrscher des frühen slawischen Mittelalters. Er bestieg im Jahr 846 nach dem Tod seines Onkels Mojmír I. den Thron des Reiches von Großmähren, eines der ersten geeinten Staatsgebilde der westslawischen Welt.

Rostislav bemühte sich, die politische und kirchliche Unabhängigkeit seines Landes vom Fränkischen Reich zu sichern. Er erkannte, dass das junge Christentum in Mähren einer eigenständigen geistlichen Grundlage bedurfte, die im Volk selbst wurzelte und nicht von fremden Mächten gelenkt wurde.

Er bat zunächst den Papst in Rom, ihm Priester zu senden, die die Lehre Christi in der Sprache des Volkes verkünden könnten. Da diese Bitte ohne Antwort blieb, wandte er sich im Jahr 862/863 an den byzantinischen Kaiser Michael III. und den Patriarchen Photius I. mit der gleichen Bitte.

Auf ihre Entsendung hin kamen die heiligen Brüder Kyrill und Methodius nach Großmähren. Sie schufen die erste slawische Schrift, übersetzten die Heilige Schrift und die liturgischen Texte in die altkirchenslawische Sprache und feierten die Göttliche Liturgie in der Sprache des Volkes. Damit wurde der Grundstein für die geistliche und kulturelle Eigenständigkeit der slawischen Völker gelegt.

Rostislav unterstützte die Mission der Brüder mit aller Kraft. Unter seiner Herrschaft entstanden Schulen, Klöster und eine selbständige kirchliche Verwaltung. Sein Ziel war ein christliches Reich, das in Einheit des Glaubens und in der Sprache des Herzens Gott lobt.

Doch sein Streben nach Freiheit brachte ihn in Konflikt mit den fränkischen Herrschern, vor allem mit Ludwig dem Deutschen. Schließlich wurde Rostislav im Jahr 870 durch seinen Neffen Svatopluk I. verraten, gefangengenommen, geblendet und an die Franken ausgeliefert. In Gefangenschaft, vermutlich in Regensburg, übergab er im selben Jahr seine Seele Gott.

Rostislav blieb im Gedächtnis der slawischen Kirche als der Fürst, der nicht Ruhm und Reichtum, sondern das Evangelium Christi für sein Volk suchte. Er war es, der den Weg für Kyrill und Methodius bereitete und so die Christianisierung und geistliche Eigenständigkeit der Slawen ermöglichte.

Im Jahr 1994 wurde er von der Orthodoxen Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei verherrlicht.

Der heilige Rostislav ist ein Beispiel für einen Herrscher, der seine Macht in den Dienst Christi stellte. Seine Weisheit verband politische Klugheit mit tiefem Glauben. Er wird als apostelgleich verehrt, weil durch ihn das Evangelium in der Sprache der Slawen verkündet wurde — ein Ereignis, das das geistige Gesicht Osteuropas für immer prägte.

In der Ikonographie erscheint er als Fürst in königlichem Gewand mit einem Kreuz oder einem Modell der Kirche in der Hand, oft gemeinsam mit den heiligen Brüdern Kyrill und Methodius.

Quellen:

  • Orthodox Church in America: Saint Rostislav, Prince of Great Moravia (oca.org).
  • OrthodoxWiki: Rastislav of Moravia.
  • John Sanidopoulos, Saint Rastislav, Prince of Great Moravia, Mystagogy Resource Center, 2020.
  • Britannica Online: Rostislav (Prince of Great Moravia).
  • Czech and Slovak Orthodox Church – Synodal Proclamation of Canonization, Prešov 1994.

Gebete

Troparion (7. Тon)

Als Erster unter den Fürsten deines Volkes, ermahnte dich Gott, mit dem Götzendienst aufzuhören sehntest du dich und im wahren Glauben den lebendigen Gott kennenzulernen, der sich mit Vorsehung um sein Volk kümmert. Mährischer Fürst Rostislav, du bist gesegnet worden durch die Heiligen Kyrill und Method, welche große Liebe dem slawischen Volke erwiesen, bitte für uns in der Wohnstätte des Himmlischen Vaters, damit er unsere Seelen rettet.